Im Zuge eines Herzkatheders

Achim kam von Freitag auf Samstag mit nach Hannover. Yorik hatte einen so tollen Tag, war wach, schaute uns immer wieder an, lächelte, gluckste sogar. Ich durfte ihm zum ersten Mal Nahrung über die Sonde geben. Über Sonde zu füttern war endlich das Gefühl, ihm etwas geben zu können, anstatt nur zuzuschauen, wie Andere das eigene Kind versorgen.
Anschließend zogen wir Yorik um. Zum ersten Mal eigene Kleidung für meinen Kurzen! Er sah so süß aus, dass wir ihn fast nicht wieder ins Bett zurück hätten legen können. Gut, ich muss nun noch einmal Babysachen holen, bzw. sehen, wo ich welche her bekomme, da durch die Sonden und Kabel im ersten halben Jahr Wickelbodys und Spieler, die bis zum Fuß zu knöpfen sind einfach wesentlich praktischer sind, aber das ist uns der Kleine ja auch wert.
Auf jeden Fall war es ein so fröhlicher Nachmittag an seinem Bett und als wir abends gingen, schauten Yorik und ich uns lange und tief in die Augen. Es war so innig, so tief, so verbunden,…

Samstagmorgen, halb 7 klingelte mein Handy. Die Stationsärztin war dran und teilte mir mit, dass Yorik in den frühen Morgenstundenwieder intubiert werden musste. Zuerst hatte man es mit seinem CPAP versucht, aber die Sauerstoffsättigung fiel soweit ab… Er atmete sein CO² nicht mehr aus, sedierte sich praktisch mit seiner eigenen Atemluft und schließlich kriselte der gesamte Kreislauf. Mit Tubus, der nun wieder bis in die Lunge geht und stabilisierenden Medis, bekamen sie Yorik zumindest wieder stabil, aber er machte kaum Anstalten eigenständig zu atmen. Erst gestern Nachmittag/Abend, stabilisierte er seine gesamte Verfassung.
Nach mehreren US, Absprachen mit den Spezialisten und ständiger Überwachung durch eine weitere Kinderkardiologin, teilte man uns mit, dass das, was wir befürchtet hatten, scheinbar doch noch eintritt: die ISTA (Aortenisthmusstenose)!
Der Ductus steht davor sich komplett zu schließen und auch wenn es im US so aussieht, dass die Aorta davon unbehelligt bleibt, scheint Yorik doch große Probleme mit dem sich aufbauenden Lungendruck zu haben. Der darf natürlich nicht zu hoch werden und so will man sehen, was man tun kann, um bessere Voraussetzungen zu schaffen, damit Yoriks Herz und Lunge stabil und ohne übermäßige zusätzliche Belastungen bis zur großen Herz-OP mit 6 Monaten bleiben.
Morgen, am Montag, wird der nächsten Eingriff vorgenommen, sofern Yoriks Zustand sich nicht wieder verschlechtert. Dann wird sofort das Ärzteteam zusammengetrommelt und noch vorher operiert.
Im Zuge eines Herzkatheders, wird morgen dann genauer nachgesehen, welche Stellen im Herzen möglicherweise Unterstützung brauchen. Zeigt sich, dass es für Lunge und Herz besser ist, wenn der Ductus sich nicht schließt und/oder dass die Aorta zu verengt ist, werden „Stents“ gelegt. Das sind vereinfacht erklärt eine Art Gittergerüste, die die Gefäßwände stabilisieren und Verengungen verhindern sollen.
Viele Risiken, viele Abwägungen, aber wir unterschrieben natürlich. Dr. Sch. gab sich viel Mühe mit der Aufklärung, nahm uns aber auch Ängste, ohne etwas blumig zu reden. Wir wissen, dass Yorik bei ihm und seinen Kollegen in besten Händen ist. Und als wir sagten, dass wir dann nach Hause zu den anderen Kindern fahren, um mit ihnen zusammen für Yorik zu hoffen und dem Kleinen gleichzeitig hier noch einen Tag Ruhe vorm Eingriff zu gönnen (wenn er unsere Stimme hörte, veränderten sich die Anzeigen seiner Monitore und wir wollten ihn nach dieser Nacht nicht noch zu sehr stressen).
Seit gestern brennt nun eine Kerze bei uns. Und wir werden sie wieder brennen lassen. Die Familie rückt zusammen und versucht Yorik Kraft zu schicken. Es scheint etwas zu helfen, denn sein Zustand ist erfreulich stabil, unter den Umständen.
Morgen fahren Achim und ich wieder nach Hannover und wie vor eineinhalb Wochen, als die Darm-OP war, könnte ich durchdrehen vor Angst um meinen Kleinen.

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