Die Taufe

Am Freitag, dem 3. Februar 2012, wurde unser YoFi getauft. Trotzdem es eine Nottaufe war, ließen wir es uns nicht nehmen, als Familie geschlossen bei unserem kleinen Prinzen zu sein. Alle seine Geschwister, Halbgeschwister und Schwager waren da. Seine ältere Nichte Zoe, meine beste Freundin und Hauptpatin Nikki, nebst Ehemann, meine Freundin und Hebamme Bettina, die mir bereits in der Schwangerschaft eine wichtige Stütze war und die Freundinnen Meike und Caro aus dem Mamiweb, die eine lange Anfahrt auf sich nahmen, um an diesem Tag bei uns, bei unserem kleinen YoFi zu sein.
Wir trafen uns in der Cafeteria der Frauenklinik und als ich die Freundinnen zur Begrüßung in den Arm nahm, kullerten Tränen der Erleichterung. Dieser Tag würde mit so viel Kraft einher gehen, denn genau diese Stärke brachten die Freundinnen uns mit. Genau diese Kraft brauchten wir so sehr, um die Taufe als Freudenfest und weiteren Meilenstein des Kampfes um YoFis Leben zu sehen, statt ihm den bitteren Beigeschmack des Abschieds zu geben.
Ich ging mit Bettina voraus auf die Station. Wir wollten noch ein wenig vorbereiten, aber ich muss ehrlich sein, denn statt der Vorbereitungen, sehnte ich mich nach einem winzigen Moment vorab, den ich allein mit YoFi verbringen konnte, bevor alle anderen ins Zimmer kommen würden. Bettina sprach mit der Seelsorgerin, die die Taufe vollziehen würde, einige Details ab, so dass mir ein paar Augenblicke mit meinem kleinen Prinzen blieben. Er wurde gerade etwas wach. So wach es eben unter all den Beruhigungsmitteln ging und versuchte sich umzuschauen. Unter Küssen erzählte ich ihm, dass alle da sind, draußen warten um mit ihm seine Taufe zu feiern und dass ich hoffe, es würde ihm nicht zu viel werden.
Eine sehr liebe Schwester, die an diesem Nachmittag für ihn zuständig war, verbreitete mit ihrer Fröhlichkeit eine gute Laune, die zusätzlich das bedrückende Gefühl verjagte. Schließlich war es soweit, die Anderen hinein zu holen.
In grüne Kittel und Mundschutz gehüllt, mit frisch desinfizierten Händen, betraten alle das Krankenzimmer.
Ich versuche krampfhaft die Taufe in meinem Kopf noch einmal abzuspielen, aber ich war wie neben mir, nahm kaum etwas auf, außer all die Menschen, die mir sonst so vertraut sind und wie fremd sie in den Kitteln und mit Mundschutz verhüllt wirkten. Eine Glocke läutete die Taufe ein und ab da weiß ich nur noch, dass die Seelsorgerin Fürbitten sprach, Gebete mit uns gemeinsam hielt, YoFi seinen Namen gab, ihn also auf den Namen Yorik-Finnley taufte, noch einmal mit uns betete, Segen über unseren Sohn und Anwesende, ebenso alle kranken Kinder sprach und dann wir selbst unserem Kleinen unsere Segenswünsche mit auf den Weg geben durften.
Gemeinsam hatten unsere älteren Kinder und Schwiegersöhne Runen herausgesucht, die symbolisch für das stehen sollen, was wir unserem kleinen Prinzen auf den Weg geben wollen. Diese Runen ritzten wir auf kleine, nachtleuchtende Platten und malten sie in Kupferfarbe aus. Es musste Kupfer sein, in Anbetracht unseres Familiennamen und YoFis wunderbarer, kupferner Haarfarbe. Auf die Rückseite der Platten ritzten wir den Namen des jeweils Wünschenden, sowie die Bedeutung der Rune. So gaben wir YoFi, neben dem Segen und den Gebeten der Kirche die Runen der Heilung, schöpferischen Kraft und Magie, Willenskraft und Magie, eine Glücks- und Schutzrune, Lebenskraft, Stärke und Tatendrang, Schutz der Familie, sowie Ort der Wunder mit auf den Weg. Dazu lasen wir ihm jeweils einen kleinen Vers vor, was YoFi für uns ist. Die Kleinen, Emmy, Romy, Zoe und Nele, bekamen keine Runen, dafür Sonnen mit einem Herz in der Mitte. Dies sollte für Kraft und Liebe stehen.

Werner sagte:
Yorik-Finnley, Du bist unsere Freude, die das Glück in unseren Herzen leben lässt. Durch Dich lernen wir, wie kostbar ein Lächeln ist.

Ronja sagte:
Yorik-Finnley, Du bist für uns die Wärme, die in uns lebt und uns mit Geborgenheit umarmt, um alle Kälte zu vertreiben.

Timo sagte:
Yorik-Finnley, Du bist unsere Kraft, die uns stärkt und hilft, über uns hinaus zu wachsen. Durch Dich sind wir unbesiegbar.

Daniel sagte:
Yorik-Finnley, Du bist für uns Vertrauen und Zuversicht. Wir vertrauen Deinem Weg und sind zuversichtlich, dass dieser Weg auch unserer ist.

Papa sagte:
Yorik-Finnley, Du bist unsere Verbundenheit. Durch Dich sind wir Eins, verbunden in alle Ewigkeit und untrennbar.

Micky sagte:
Yorik-Finnley, Du bist unsere Hoffnung. Durch Dich besiegen wir die Furcht und erkennen das Wunder. Das Wunder bist Du!

Jessi sagte:
Yorik-Finnley, Du bist unser Licht. Hell strahlst Du, vertreibst die Dunkelheit und zeigst uns das Ziel.

Mama sagte:
Yorik-Finnley, Du bist unsere Liebe. Unsere Herzen und Seelen sind erfüllt von Dir und lassen uns ein Teil von Dir sein.

Zoe, Nele (stellvertretend für sie ihre Eltern), Emmy und Romy sagten:
Ich liebe Dich, kleiner Yorik-Finnley!

Als wir die Mädchen auf dem Arm hielten, damit sie mit dem Taufwasser einen Segen auf YoFis Brust geben konnten und sie leise zu ihm flüsterten „Ich liebe Dich!“, war es endgültig mit meiner Beherrschung vorbei und ich weinte leise vor mich hin. Ein Blick auf Achim zeigte mir, dass es meinem Mann genauso ging.
Wir fädelten die Runen auf ein Lederband, dass später ans Fußende von YoFis Bett gehängt wurde.
Nacheinander konnten noch alle anderen ein Segenszeichen auf Yoriks Stirn oder Brust malen und die Taufe wurde dann von Zoe und Romy ausgeläutet.
Ich erinnere mich noch an die Umarmungen der Freundinnen, die ergriffen am Bett unseres Prinzen standen, mit den Tränen kämpften und wie Caro sagte, sie sei so überwältigt von YoFis starker Ausstrahlung, die mit einer unsagbaren Energie den ganzen Raum durchflutet. An die Umarmung von Meike, die ein paar stärkende Worte für mich zu suchen schien und dann einfach Arm in Arm mit mir dastand und unseren Prinzen bewunderte. Wortlos, denn es brauchte keine Worte. Alles sprach für sich. Wie Nikki YoFis Gesicht, seine Hände und die Brust streichelte, ihn immer wieder zärtlich „kleiner Wattebausch“ nannte und wie mein Mann mich im Arm hielt, wir unseren kleinen Sohn streichelten und in diesem Moment das Gefühl hatten, dass nicht wir ihm, sondern dieser kleine Mann uns Kraft gibt.
Besonders stolz sah ich unseren Kindern und Schwiegersöhnen hinterher, die langsam das Zimmer verließen. Sie waren so tapfer gewesen, so stark und man spürte die Liebe zu YoFi, die sie umgab wie eine Aura.
Bettina hatte Tropfen aus Glas mitgebracht, von denen jeder einen bekam, als Andenken und Begleiter.
Neben den beiden Hauptpaten Nikki und Daniel, hatten wir noch YoFis vier älteste Geschwister Jessi, Ronja, Timo und Micky, sowie Bettina eintragen lassen. Der kleine Prinz bekam also sieben Paten! Es war uns wichtig, denn etwas in uns sagte, dass diese Sieben unserem Prinzen besonders viel Kraft geben, egal wohin sein Weg ihn führt.

YoFi selbst schlief kurz nach den Segnungen ein. Er hatte seine Taufe völlig entspannt miterlebt, nicht einmal geweint oder missmutig das Gesicht verzogen. Ganz ruhig und friedlich hatte er alles miterlebt und es stimmt, was Caro sagte, der Raum war erfüllt von YoFis unbeschreiblich starker Energie, die uns allen das Gefühl gab, nicht wir bringen ihm Kraft, sondern er lässt uns teilhaben an seiner wundervollen Stärke.
Und so passte sein Taufspruch ums so mehr:

Sei mutig und stark! Fürchte dich also nicht, und hab keine Angst; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir bei allem, was du unternimmst.
(Josua 1,9)

7 Kommentare

  1. liebe sylvie,
    mit tränen in den augen habe ich deinen beitrag gelesen und es ist beeindruckend wie stark und tapfer du bist.Ich bewundere auch sehr deine wundervolle familie. Ich hoffe sehr dass ihr den richtigen arzt für yofi finden würdet dass ihm helfen könnte damit ihr euren Prinzen endlich mit nach Hause nehmen könntet. ich denke immer,täglich an euch und ich muss dir gestehen dass ich schon angst gehabt habe,dass etwas schlimmes passiert wäre weil schon lange kein neuer beitrag im tagebuch war. Aber jetz bin glücklich dass es nicht so ist und ich werde täglich reinschauen ob gute neuigkeiten von euch gibt, Es ist selbstverständlich dass du nicht immer zeit und lust hast vor dem pc zu sitzen den diese wertvolle zeit gehört yofi.
    Ich drücke euch ganz fest die Daumen und fühlt euch ganz fest gedrückt.
    Liebe Grüße
    MARIA

  2. Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.
    (Psalm 91,11)

  3. KaiLeonsMom |

    Ich bin überwälltigt. Das ganze gibt einen wirklich hoffnung. Ich bete für ein wunder. Yorik du bist wunderbar stark und ich hoffe so sehr das du noch viel zeit mit deiner familie hast.

    Und dir sylvia möchte ich auch heute wieder viel kraft schicken.

    Lg KaiLeonsMom

  4. Hallo,

    es ist schön wieder etwas vom kleinem Kämpfer zu hören. Hatte auch schon Angst es wäre was passiert. Nun werde ich wie jeden Tag weiter an euch und euren kleinen Mann denken. Ich drücke weiterhin die Daumen, dass der Arzt der Yofi helfen kann, bald gefunden wird. Bleibt weiterhin so stark und tapfer………. LG Ly

  5. Ich wünsche euch alle Kraft der Welt und Gottes Segen für euch und vor allem für YoFi.

    Der Taufspruch begleitet auch unsere Nichte. An der Taufe habe ich damals ein Lied darüber für sie gesungen… http://www.youtube.com/watch?v=zAB0IF2BK64 Vielleicht magt das Lied auch euch ab und an Kraft und Mut geben!

  6. Lieber Yofi, deine Taufe schien etwas wirklich besonderes zu sein sowie du es auch bist ! Ich freue mich so sehr etwas von dir zu lesen …die ganze Woche hab ich dauernd nach Tagebuch Einträgen geschaut und mir soviele Sorgen und Gedanken um dich gemacht.Nun lese ich so positive Sachen von deiner Mama ,das ich wieder richtig „Hoffe“ das dir das Schicksal bald den Lebensrettenden Anker schickt nachdem sich alle so sehnen…du hast nun 7 Paten und ich finde es auch toll das es sieben sind …die gloreichen sieben! Mögen sie dir Kraft für sieben Leben schenken …
    sei geküsst mein kleiner Prinz
    Melli

  7. Ich habe in den letzte Tagen voller Sorge an Euch gedacht und freue mich nun umso mehr, diesen berührenden und warmherzigen Bericht hier lesen zu können.
    Ich wünsche von Herzen, dass sich in naher Zukunft ein Arzt finden wird, der
    Dir, kleiner Yorik-Finnley, endlich helfen kann.
    Du gibst Deinen Eltern und Deiner Familie soviel Kraft, um diese schwierige Zeit gemeinsam durchzustehen.
    Ich hoffe und wünsche, dass Euch diese Kraft erhalten bleibt, Ihr nie den Mut verliert und sich alles zum Guten wendet.

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