„Fernsehstar“, so kurz nach dem EIngriff

Yorik hat den Eingriff gestern erstaunlich gut für seinen derzeitigen Zustand überstanden.
Hinterher hatten wir ein langes Gespräch mit dem Stationsarzt, der uns noch einmal verdeutlichte, wie haarscharf wir daran waren, den kleinen Prinzen zu verlieren.
Durch die Notwendigkeit der Gaben von hoch dosierten Medikamenten, die den Kreislauf stabilisierten, der immer wieder akut abkippte und da er kaum selbstständig atmen und sein Blut mit Sauerstoff sättigen konnte, war der Eingriff mehr Verzweiflung, denn normalerweise geht man ungern in OPs, wenn der Patient derart instabil ist, weil die Wahrscheinlichkeit, ihn unter dem Eingriff zu verlieren, unglaublich hoch ist. Dr. Sch. gab auch zu, dass der Hinweis seiner Kollegin auf die Nottaufe seiner Meinung nach, am Sonntag, nicht nur vorsorglich war. Man versuchte verzweifelt Yorik zu retten, konnte aber selbst aus medizinischer Sicht fast nur noch hoffen, das Richtige zu tun.
Zwar war es auch genau das, was man uns Sonntagabend am Telefon zu sagen versuchten, aber wirklich begriffen haben wir erst gestern, dass unser kleiner Prinz beinahe einen anderen Weg gegangen wäre, als den in eine Zukunft mit uns.

Momentan sieht das Ergebnis des Eingriffs vielversprechend aus. Natürlich kann man jetzt, so frisch, noch nicht wirklich Prognosen stellen, zumal Herzkinder immer alles, von einem Moment auf den anderen bieten können. Aber insgesamt scheint Yorik doch immer stabiler zu werden und man will nun die Kreislaufmittel immer weiter herunterfahren. Die künstliche Beatmung könnte allerdings noch ein paar Tage bleiben.
Heute bekam der Kleine schon wieder etwas Nahrung über die Sonde und als ich fragte, ob ich weitermachen darf, überreichte die Schwester mir lächelnd die Spritze mit der Milch, so dass ich vorsichtig füttern konnte.
Yorik ist heute noch völlig erledigt und schläft fast ununterbrochen. Aber das ist ja auch kein Nachteil. So kann er Kräfte tanken und sein Körper kann sich an die neue Situation nach dem Eingriff etwas besser gewöhnen.

Im Groben kann ich gerade nur sagen, dass sich im Katheder herausstellte, dass die Aorta tatsächlich zu sehr verengt war. Man setzte nun einen „Stent“. Das ist eine Art Gewebe in Schlauchform, das die Gefäßwand in gewünschter Größe erweitert hält. Ein Stent verrutschte zuvor und liegt nun an einer Stelle, wo er nicht gebraucht wird, was aber nicht tragisch ist. Er dehnt eben nun ein anderes Blutgefäß etwas besser. Die Stents müssen sowieso später wieder entfernt werden. Man holt dann eben 2, statt 1 heraus.
Dr. Sch. erklärte uns noch mehr, aber wir waren nicht wirklich aufnahmefähig. Was wir verstanden haben war, dass durch einige Komplikationen der Eingriff eben länger dauerte. Mit Vorbereitung und späterer Überwachung, hatte man 2 Stunden angesetzt. Yorik kam erst nach 4 Stunden zurück auf Intensiv.
Jetzt heißt es feste Daumen drücken und inbrünstig hoffen, dass es nun endlich beständig bergauf geht.

Heute Abend wird Yorik wahrscheinlich im Fernsehen sein. Sat1 bringt im Magazin ums 17:30 Uhr im Regionalbereich einen kurzen Bericht über die Intensivmedizin der Station. Sie drehten u. A. am Monitor von Yorik, der zu den modernsten der derzeitigen Intensivmedizin gehören soll. Der Chefarzt rief uns vorhin an und fragte, ob es uns recht sei, dass Yorik eventuell kurz mit im Bild zu sehen sei. Man würde keine Namen oder Details nennen, sondern vorrangig die Geräte vorstellen. Wir gaben unser Einverständnis.
Mal schauen, ob sich dann später an den Bericht herankommen lässt, um ihn fürs virtuelle Familienalbum zu speichern. Welches Kind kann schon später von sich sagen, dass es 1 Tag nach seiner zweiten OP, im Alter von gerade einmal 18 Tagen, im Fernsehen war?
Nicht dass unser Kurzer dann Starallüren bekommt und nur noch über goldene Sonden Nahrung aufzunehmen gedenkt!

Mir selbst geht es im Moment nur augenscheinlich gut. Die Nerven liegen blank. Jedes Mal, wenn mein Handy klingelt, sei es auch nur dass eine SMS eingeht, setzt mein Herz aus und die Haare werden grau. Ich rechne immer mit einem Anruf der Klinik, die uns eine weitere Nachricht bringt, die wir nicht wollen. Und ausgerechnet an solchen Tagen, bimmelt das Handy, als gelte es Preise dafür zu gewinnen.
Mal ist es das Hotel, dass man mich nun doch verlängern kann,…. mal eine Freundin, die hören will, wie es uns geht,…. mal der Chefarzt, um zu fragen, ob Yorik ins Fernsehen darf,…
Jedes Mal zucke ich zusammen und fange an zu heulen, wenn ich aufgelegt habe, weil die Anspannung schlagartig wieder abfällt. Wenn das so weiter geht, werde ich wohl eine Baldrianplantage plündern müssen

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