Milch für YoFi

Gestern wurde Yorik der Tubus der künstlichen Beatmung entfernt und gegen den CPAP, das Gerät, das er anfangs als Atemunterstützung hatte ausgetauscht. Yorik fand das überhaupt nicht toll, denn man muss sich diesen CPAP so vorstellen, als würde man im Windkanal stehen und versuchen gegen den Sturm einzuatmen. Es ist an sich eine gute Sache, diesen CPAP einzusetzen, nötigt er doch durch seinen Druck die Eigenatmung etwas mehr. Allerdings ist das Gerät auch unangenehm, zumal es in der Nase steckt (Yoriks rechtes Nasenloch ist ja zudem auch noch innen nicht so durchgängig, was sich später ein HNO ansehen soll, um es ggf. zu weiten/durchgängig zu machen) und dadurch die Nase etwas stärker zusammenpresst.
Er wehrte sich, wie es ein Baby eben nur kann, indem er dagegen presste. Pressen ist übrigens seine Unmutsbekundung, wenn er ganz und gar schlechte schlechte Laune hat. Er hält dann die Luft an und presst sie in den Kopf. Dabei flackern dann seine Werte natürlich wieder, er atmet nicht wie er soll und kann dann sogar blau anlaufen. Heiser durch über 2 Wochen Tubus, krächzte er beim Weinen, versuchte sich den CPAP weg zu strampeln und warf pressend den Kopf hin und her. Er ließ sich nicht beruhigen, reagierte nicht einmal auf Zuspruch und ihn beruhigend streicheln war kaum möglich, da ja nicht viele Stellen an seinem Körper frei genug sind. Überall stecken Zugänge oder kleben Elektroden. Also blieb nur der Kopf, aber ihn dort anzufassen, war gerade in der Nähe des CPAP, also wurde er so auch nicht ruhiger.
Man gab ihm schließlich ein leichtes Beruhigungsmittel und am Abend hatte er sich dann schon einigermaßen an den CPAP gewöhnt. Zumindest soweit, dass er auf Zuspruch reagierte, wenn er sich aufregte. Ich rief ihn immer, wenn er pressen wollte, lag mit meinem Gesicht dicht vor seinem und brachte ihn dazu, mich mit den Augen zu fixieren. Er musste sich dabei so konzentrieren, dass er dann für Momente den CPAP vergaß und sich wieder etwas beruhigte.

Heute Mittag wurde probehalber der CPAP entfernt und gegen einen einfachen Schlauch mit leichter Sauerstoffunterstützung (einen Flow) eingetauscht. Man wollte schauen, wie er sich damit macht und siehe da, er macht das erstaunlich gut. Die Blutgase sind weiter im Normbereich und auch der Lungendruck steigt nicht weiter. Der Arzt meinte, dass Yorik zwar noch lange nicht über den Berg ist, aber momentan absolut gute und vielversprechende Fortschritte macht. Dazu kommt noch, dass man heute beim US feststellte, dass die linke Herzkammer nun endlich auch mehr Aktivität zeigt und besser pumpt. Dadurch wird momentan der Lungendruck besser geregelt und das Herz arbeitet besser so, wie es eigentlich wünschenswert ist. Hoffen wir, dass es weiter so stabil und kräftiger wird und nicht nur unter Medis so reagiert!

Eine weitere Sache ist ein persönliches Erlebnis, bzw. eine Unterhaltung, die ich mit dem Arzt heute hatte und die mich um ein großes Stück aufgerichtet hat. Ich habe ja die ganze Zeit dieses Gefühl, unzureichend für Yorik zu sein. Da lässt mein Körper erst zu, dass er diese Krankheiten entwickelt, wirft ihn dann noch raus, indem er dem Kleinen den Saft abdreht und dann kann ich ihm nicht einmal meine Milch geben, weil Yorik nicht essen kann, bis der Darm operiert ist und er an Nahrung per Sonde gewöhnt ist.
Ich stillte per Tablette ab und fühlte mich, als wäre es eine gerechte Strafe für mich, denn meine Milch wäre nicht gut genug für ihn. Das sind Gefühle und Gedanken, die kommen, ob man will oder nicht. Dabei hatte ich mich so darauf gefreut, endlich einem meiner Kinder Muttermilch geben zu können. Nun, bei Yorik, war ich mutig und enthusiastisch, wollte abpumpen und dann kam es doch alles anders…
Vor ein paar Tagen stellte ich fest, dass ich nach der Abstilltablette und nun über 4 Wochen nach dem Abstillen, noch nicht „trocken liege“. Ich weiß nicht warum, aber ich wollte es wissen und legte die Pumpe an. Es kamen fast 10ml aus einer Seite. Heute sprach ich mit dem Arzt, schämte mich ein wenig, wurde rot und erklärte dann, warum ich abgestillt hatte, dass da eben doch noch ein wenig Milch ist und ich fragen wollte, wenn ich den Milchfluss nun doch noch etwas antreiben könnte, ob die Milch dann für Yorik gut wäre. Der Doc war begeistert und animierte mich unbedingt weiter zu machen. Er sagte, dass selbst wenn ich nur jeden Tag wenige Milliliter Milch bekäme, wäre das etwas, was gut für Yorik wäre. Und ich sollte mich nicht unter Druck setzen, es könnte etwas dauern, aber er ist sich sicher, dass ich den Milchfluss recht gut antreiben könnte. Das heißt nun mehrmals täglich an die Pumpe, für mich und ich hoffe, dass es klappt. Wenn ja, wäre das endlich ein wenig mehr das Gefühl etwas für meinen Kleinen tun zu können, ihm etwas geben zu können, was ihm gut tut. Es wäre ein winziges Stück wegkommen, von dem Gefühle der Hilf- und Machtlosigkeit und den Selbstvorwürfen, nichts für Yorik tun zu können.
Also hoffe ich, dass ich die Quelle wieder zum Sprudeln bringe.

1 Kommentar

  1. mein aufrichtiges Beileid… meine Tochter kam in der 25. SSW..hatte vorher ab der 16.ssw blutungen-plazentaablösung.. es waren 4 Monate nach der Not Op – HOrror – für mich.. aber GOTT SEI DANK…ist sie Fit..sie wird 7…. wenn ich Deine../Ihre Zeilen lese.. knatsche ich.. weil ich vieles ebenso mitgemacht habe..bzw. meine Tochter.. CPAP.. sie hat immer noch Narben.. Zugänge…Narben.. Horror vor Spritzen..etc….. werde morgen weiter lesen..bin momentan nicht in der Lage…

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